Cleft
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Cleft)
Ursachen:
Die Ursachen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind nach wie vor unklar. Bekannt ist, dass sie bereits ab der 4. Schwangerschaftswoche entstehen. Die Fehlbildungen können dabei sehr unterschiedlich sein: ein- oder beidseitige Lippenspalten, Gaumenspalten oder – in schwereren Fällen – Lippen-Gaumenspalten und Lippen-Kieferspalten. Ist der Gaumen gespalten, fehlt die Abtrennung zum Nasenraum, so dass es zu erheblichen, oder sogar lebensbedrohlichen Atem-, Trink-, Schluckstörungen kommt.
Links: Lippen-Kieferspalte, rechts: Gaumenspalte. Wenn ein Kind von einer Lippen- und einer Gaumenspalte betroffen ist, wird in der Regel zuerst die Lippe und in der zweiten Operation etwa sechs Monate später der Gaumen verschlossen.
Spaltfehlbildungen z.B. in Indien:
Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten werden auf allen Kontinenten und in allen Ländern der Welt geboren. Schätzungen über die Häufigkeit sind sehr unterschiedlich. In Indien rechnen wir mit einem Fall auf 800 Geburten, in Vietnam dürfte diese Zahl deutlich höher liegen, auch aufgrund der vielen Dioxine, die dort in die Umwelt und die Nahrungskette eingebracht wurden. In Indien kommen jährlich 32.000 Kinder mit einer Spalte zur Welt. Trotz der sehr guten operativen Behandelbarkeit werden aber bisher nicht genügend Operationen durchgeführt. Es fehlt an breit gestreutem medizinisch-technischem Know-how, vor allem aber an Geld.
Spaltkinder in Indien leiden nicht nur unter den starken körperlichen Behinderungen. Mindestens genauso dramatisch ist die seelische Qual. Wegen des erschreckenden Anblicks werden Spaltkinder vor der Öffentlichkeit versteckt und vegetieren jahrelang in dunklen Ecken oder Hinterzimmern. Nicht selten werden Spaltkinder ausgesetzt. Besonders betroffen sind Mädchen, da ihr einziger „Wert“ für viele Familien in ihrer Verheiratung besteht und in Indien ist die Mitgift für viele Familien ein unverzichtbarer Beitrag zum Lebensunterhalt.
Die Familien sind selbst Opfer der angeborenen Fehlbildung. Scham, Angst und Unkenntnis lassen vor allem die Mütter verzweifeln. Sie wissen, dass ihre Kinder ganz besondere Pflege und Hilfe brauchen, können sie ihnen aber nicht geben. Oft stellt allein die Nahrungsversorgung die Mütter vor unlösbare Aufgaben. So werden viele Mütter über die Jahre hinweg zerrieben zwischen dem Druck, für den Unterhalt der gesamten Familie und der gesunden Kinder arbeiten zu müssen, und der „Vollzeit“-Aufgabe, ihr Spaltkind so gut wie möglich zu versorgen.
Behandlungserfolg:
Erfolg und Nachhaltigkeit der Operationen sind sehr gut. Fast alle fachmännisch operierten Spaltkinder haben nach der Operation erstmals eine echte Chance auf umfangreiche Teilhabe: an sozialem Leben, an Spielkameraden und an Schule – für Kinder aus ärmeren Familien der einzige Schlüssel zu Ausbildung und einer Chance auf ein späteres, selbst bestimmtes Leben.